Kappeln will Zentrum für Klima-Experten-“CLIMATE CHANGE”

Der Klimawandel kommt, der Meeresspiegel steigt – dessen ist sich Günter Quadflieg vom Touristikamt sicher. Jetzt will der Kappelner ein millionen- schweres Projekt verwirklichen, das sich mit den Folgen für Mensch und Material beschäftigt.

Am Anfang war es nur eine Idee, ein Gedankenspiel, von der Wirklichkeit weit entfernt. Inzwischen ist Günter Quadflieg einen großen Schritt weiter. Mittlerweile ist nämlich die Idee aufs Papier gewandert und der Mann vom Amt für Wirtschaft und Touristik ist dabei, Quellen anzuzapfen, die den Impuls für den letzten, entscheidenden Weg vom Papier in die Realität vollziehen könnten. Quadfliegs Plan: ein Institut, das sich mit den Auswirkungen des Klimawandels beschäftigt. Denn, davon ist der Kappelner überzeugt: “Es ist klar, dass der Klimawandel kommt. Bleibt nur die Frage: Beschäftigen wir uns damit, diesen Moment noch hinauszuzögern oder gleich mit den Konsequenzen?”

Quadflieg hat sich für die zweite Alternative entschieden, fährt nun ein mehrschichtiges Konzept: Zum einen soll eine virtuelle Plattform entstehen, ein Internetportal, das gleichsam als Informationszentrum und Austauschmedium dient. Daneben plant der Verwaltungsbeamte eine Art Forschungsinstitut in der Schleistadt (“Zum Beispiel angedockt an den ehemaligen Kornspeicher.”), das Trainings-, Konferenz- und Büroräume beherbergt. Dort sollen Experten sitzen, die, nach Quadfliegs Vorstellungen, vor allem Küstenbewohner für das Thema sensibilisieren – in Gesprächen oder durch Ausstellungen. Quadflieg: “Der Meeresspiegel steigt, Überflutungen werden verhängnisvoller. Deshalb spielt das Problem vor allem an der Küste eine Rolle.” Und genau mit dieser Annahme will der Kappelner andere Länder und andere Partner für sein Projekt mit ins Boot holen – die Anrainerstaaten der Ostsee. Sie sollen helfen, sich mit Fragen auseinander zu setzen, von deren Antworten möglichst alle Küstenländer profitieren. Quadflieg: “Es geht dabei vor allem um technische Probleme. Wie kann der aktuelle Bestand geschützt werden? Was muss etwa bei einem Neubau mit Blick auf Kanalisation oder Materialien beachtet werden?”

Knapp drei Millionen Euro hat der Touristikfachmann für das Projekt veranschlagt – Geld, das aus Brüssel kommen soll, aus dem so genannten Interreg-IV-b-Topf. Dazu jedoch sind bestimmte Voraussetzungen notwendig. Um diese zu erfüllen, hat sich Günter Quadflieg Unterstützung geholt: Projektmanagerin Britta Kremke beschäftigt sich, nach eigenen Angaben, nicht zum ersten Mal mit solchen Interreg-IV-b-Konzepten. Sie nennt die Anforderungen: “Zunächst muss der Antragsteller mindestens drei Partner aus drei Ländern vorweisen, vorzugsweise aus dem osteuropäischen Raum. Wichtig ist außerdem, dass das, was entwickelt wird, allen Partnern zugute kommt.” Im Idealfall könne so der Schwächere vom Stärkeren lernen, so dass sich am Ende alle Beteiligten auf dem gleichen Level wiederfänden.

Seit etwa einem halben Jahr nun ist Britta Kremke auf der Suche nach solchen potenziellen Partnern und präsentiert heute ein Liste mit neun Namen – darunter die Stadt Kaliningrad (Russland), die Universität Klaipeda (Litauen) oder die “Estonian Maritime Academy” (Estland). Und wie schätzt die Projektmanagerin die Erfolgsaussichten auf tatsächliche Fördergelder aus Brüssel ein? “Mit einem qualifizierten Antrag auf etwa 40 Prozent”, sagt Kremke. Und: “Inhaltlich halte ich das Projekt für besonders aussichtsreich, denn so etwas hat es noch nicht gegeben.” Jetzt gehe es darum, Chancen abzuklopfen.

Deshalb ist Britta Kremke gemeinsam mit dem Kappelner Bauamtsleiter Ulrich Schwarz in dieser Woche in Bonn beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung vorstellig geworden. Das Amt fungiert, nach Quadfliegs Beschreibung, als eine Art Filter, eine Instanz, die deutliche Signale senden kann mit Blick auf die EU-Fördermöglichkeiten der vorgestellten Projekte. Schwarz fasst zusammen: “Wir bekamen positive Signale, genauso wie Verbesserungsvorschläge.”

Das ausgearbeitete Konzept soll mit den potenziellen Projektpartnern im Oktober diskutiert werden. Dann nämlich will Günter Quadflieg deren Vertreter nach Kappeln zu einem Symposium einladen. Als assoziierter Partner ist bereits jetzt die Wirtschaftsförderungs- und Regionalentwicklungsgesellschaft (Wireg) mit an Bord. Und Wireg-Mann Erich Reuter sagt, mit Blick durch die wirtschaftliche Brille: “Es können sich in Kappeln neue Gewerbe ansiedeln, die sich etwa mit wasserabweisendem Beton auskennen, Architekten, die spezielle Wohnmöglichkeiten entwickeln.” Ab November kann das Konzept schließlich in Brüssel eingereicht werden. Mit einer endgültigen Entscheidung rechnet Britta Kremke allerdings erst im

Sommer des nächsten Jahres.

Übrigens: Im Gespräch war auch, das Schleimuseum über “Interreg IV b” zu fördern. Quadflieg und Kremke bestätigen nun, davon Abstand genommen zu haben. Kremke: “Das wäre, wegen eines zu touristisch geprägten Kerns, deutlich weniger aussichtsreich gewesen.”


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