Warum durfte ein Türke in Adendorf kein Blut spenden?

Adendorf. Der Türke Nurrettin Bicer lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Er hat hier sein Geschäft – Bicer betreibt im Sommer den Imbiss am Scharnebecker Inselsee – und kommt eigentlich gut zurecht. Eigentlich, denn was der Adendorfer nun erlebte, ließen ihn und seine Familie an der Inte­gration der Türken in Deutschland zweifeln.

„Wir waren beim Blutspendetermin des Roten Kreuz in Adendorf“, erzählt seine Schwägerin Diana Bicer, „doch dort ließ man ihn aber nicht spenden, angeblich weil er nicht so gut die deutsche Sprache lesen kann.“ Die Adendorferin war geschockt: „Einfach unglaublich! Da beklagen die sich ständig, dass zu wenig Leute zum Spenden kommen und dann will man sein Blut einfach nicht.“

Für Elke Bremer, Vorsitzende des Adendorfer DRK-Ortsvereins, ist der Fall „eine unangenehme Sache“. Sie bestätigt: „Herr Bicer ist von uns aufgenommen worden als Erstspender.“ Dann sei er ins Labor gegangen, wo sich Mitarbeiter des DRK-Blutspendedienstes aus Springe um ihn kümmerten. Dort habe man dann festgestellt, dass Nurrettin Bicers Befragungsbogen nicht korrekt ausgefüllt worden sei. „Wenn die Ärzte Bedenken haben, dann haben sie das Recht und auch die Pflicht, Spender abzulehnen“, erklärt die DRK-Ortsvorsitzende.

Das bestätigt auch Thomas Bischoff, Sprecher vom Blutspendedienst Niedersachsen aus Springe bei Hannover: „Bei Personen, die aus einem anderen Land kommen, ist es natürlich wichtig, dass sie das Formular verstehen, dass die Kreuze, die sie dort machen, plausibel sind. Bei massiven Sprachproblemen bleibt unseren Ärzten leider nichts anderes übrig als abzulehnen.“

Diana Bicer kann das alles nicht verstehen: „Mein Schwager spricht richtig gut deutsch, nur mit dem Lesen und Schreiben hat er so seine Schwierigkeiten. Und weil er zwei Sätze auf dem Formular nicht verstanden hat, ist er nicht geeignet, Blut zu spenden?“, fragt sie. In besagtem Formular wird u. a. gefragt nach Präparaten, die in der Vergangenheit eingenommen worden sind oder auch nach Auslandsaufenthalten in Krisenregionen. Bischoff: „Wenn jemand z. B. in Ost-Anatolien gewesen ist, schreibt der Gesetzgeber vor, dass die Person ausgeschlossen werden muss.“ So will man vermeiden, dass Krankheiten aus bestimmten Gebieten übertragen werden.

Dem Sprecher des Blutspendedienstes ist es wichtig, klarzustellen, dass ein Ausschluss nichts mit der Nationalität des Spendewilligen zu tun hat: „Wir haben haufenweise Spender aus der Türkei, aus Griechenland oder auch aus Italien, die sind uns natürlich alle willkommen.“ Diana Bicer will jedenfalls nicht mehr zur Blutspende gehen: „Das war für mich ganz bestimmt das letzte Mal.“